Bundesverein Leukodystrophie (BVL e.V.)

Suche

Direkt zum Seiteninhalt

Morbus Krabbe

Diagnosen

Krabbe-Krankheit
Morbus Krabbe, Globoidzellen Leukodystrophie


Leukodystrophien sind Krankheiten des Gehirns, bei denen die weiße Substanz des Gehirns (leuko = weiß) nicht stabil ist und zum Zerfallen neigt (Dystrophie = Ernährungsstörung, Stoffwechselstörung). In der weißen Substanz verlaufen vorwiegend Nervenbahnen, mit denen Bewegungen gesteuert werden, daher leiden die Patienten unter fortschreitenden Bewegungsstörungen, später auch unter geistigem Abbau.
Bei der Krabbe-Krankheit handelt es sich um eine Gruppe ähnlicher Leukodystrophie Krankheiten auf erblicher Grundlage, die vorwiegend im Kleinkindalter, manchmal aber auch deutlich später, zu Krankheitserscheinungen führen.

Man spricht deshalb von

  • klassischem infantilem M. Krabbe (mit Beginn im Säuglingsalter) und von
  • "Spät-Krabbe".


Innerhalb einer Familie kommt in der Regel immer nur eine dieser Krabbe Form vor.
Die KrabbeKrankheit gehört neben der metachromatischen Leukodystrophie und der geschlechtsgebunden vererbten Adrenoleukodystrophie zu den häufigeren Formen von LeukodystrophieKrankheiten.

Ursachen und Entstehung der Krabbe-Krankheit
Ursache der Krankheit ist eine Veränderung im Erbmaterial.
Auf dem Chromosom 14 (im Abschnitt q3 1 ) liegt ein Gen, das als Bauplan für die Herstellung des Enzyms Galaktocerebrosidase dient. Dieses Enzym wird im Gehirn für die Aufrechterhaltung der elektrisch isolierenden Markscheiden der Nervenfasern (der Myelinsubstanz) benötigt. Die Aufgabe des Enzyms ist der Abbau von Stoffen, die im Stoffwechsel des Myelins anfallen, besonders der Stoffe Galaktocerebrosid und Psychosin.

Bei Patienten mit Krabbe Krankheit ist das Gen durch einen Erbfehler verändert: entweder fehlt ein Stück des Gens (man spricht dann von einer Deletion), oder es liegt innerhalb des Gens eine punktförmige Veränderung des Erbmaterials vor (Punktmutation). Das Enzym kann dann im Körper nicht richtig hergestellt werden und seine Aufgabe des Abbaus von Stoffen nicht erfüllen. Diese Stoffe häufen sich daher im Gehirn an. Das Psychosin wirkt dabei giftig auf diejenigen Zellen, die für Bau und Aufrechterhaltung der Myelinsubstanz zuständig sind (Oligodendrozyten). Diese Zellen sterben ab, und die Folge ist der Zerfall von Myelin. Das Zerfallsmaterial sammelt sich in ungewöhnlichen großen Speicherzellen, den GloboidZellen, die zur Bezeichnung GloboidzellenLeukodystrophie (GLD) für die Krabbe Krankheit geführt haben.

Wie verläuft die Krankheit?
Der klassische infantile M. Krabbe beginnt bei zuvor unauffälligen Säuglingen im Alter von 4-6 Monaten mit Unruhezuständen, Reizbarkeit und zunehmender Versteifung der Glieder. Epileptische Krämpfe können hinzutreten. Die Kinder entwickeln eine auffällige Körperhaltung mit nach hinten überstrecktem Rücken und bewegen sich kaum noch. Sie werden schreckhaft, erblinden, bekommen Schluckstörungen und leben selten länger als ein Jahr. Eine erfolgreiche Behandlung ist noch nicht bekannt. Bei den spät beginnende Sonderformen der Krabbe-Krankheit treten zwar grundsätzlich dieselben schweren Symptome auf, doch ist der Krankheitsverlauf sehr in die Länge gezogen. Der Beginn kann im Schulalter liegen und sich bis ins Erwachsnenalter hinziehen. Experimentelle Behandlungsversuche haben hier daher deutlich mehr Chancen als bei der Säuglingsform.

Wie erkennt der Arzt die Krabbe-Krankheit?
Die Erkennung der klassischen Form beruht auf dem raschen Fortschreiten einer Nervenkrankheit des Säuglings, bei der sich spastische Versteifungen entwickeln und gleichzeit die Muskelreflexe nicht mehr auslösbar werden, da auch die peripheren Nerven betroffen sind. Letzteres ist durch Messung der Nervenleitgeschwindigkeit erfassbar. Die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT, "Kernspin") des Gehirns zeigt Veränderungen der weißen Substanz. In der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) ist der Einweißgehalt erhöht. Bei spät beginnenden Formen der Krabbe-Krankheit können das Eiweiß im Liquor und die Nervenleitgeschwindigkeit normal sein. Entscheidend für die Bestätigung der Diagnose ist in allen Fällen der Nachweis des Fehlens der Aktivität des Enzyms Galaktocerebrosidase in weißem Blutkörperchen oder in Fibroblastenzellen, die aus einer kleinen Hautprobe gezüchtet werden.

Welche Rolle spielen genetischeFragen?
Die Krankheit wird autosomalrezessiv vererbt. Das bedeutet, dass beide Eltern zwar selbst gesund sind, aber die unsichtbare Anlage für die Krankheit an ihr Kind vererbt haben.

Gesunde Geschwister des erkrankten Kindes können ebenfalls Anlageträger der Krankheit oder überhaupt nicht betroffen sein. Bei einer weiteren Schwangerschaft der Mutter besteht ein Risiko für das Wiederauftreten der Krankheit von 25%, doch gibt es die Möglichkeit, nach pränataler Diagnostik nur ein nichterkranktes Kind auszutragen. Für die pränatale Diagnostik wird der Nachweis der fehlenden Enzymaktivität benutzt, doch dürfte der direkte Nachweis der Mutation mit molekulargenetischen Methoden in Zukunft eine größere Rolle spielen. Dies gilt auch für die Feststellung, ob Verwandte des Patienten Krankheitsüberträger sind.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Da es, jedenfalls bei der klassischen Krankheitsforrn, noch keine wirksame Heilmethode gibt, muß man dem Kind das Leben erträglich zu machen versuchen. Vorübergehend können Schmerz und Beruhigungsmittel sinnvoll sein. Treten Schluckstörungen auf, die das Füttern schwierig machen, ist das Einpflanzen einer Ernährungssonde in den Magen ein kleiner Eingriff, der große Erleicherung bringt. Er sollte nicht zu lange herausgezögert werden.
Bei den Spätformen der Krankheit sind Versuche mit einer Behandlung durch Knochenmarkübertragung von ausgesuchten gesunden Spendern in einigen Fällen errnutigend verlaufen. Vereinzelt konnte das sonst unaufhaltbare Fortschreiten der Krankheit durch die Knochenmarktransplantation offenbar aufgehalten werden. Diese Behandlung ist allerdings selbst sehr belastend und risikoreich. Das Pro und Contra ihrer möglichen Anwendung muss daher in jedem Einzelfall frühzeitig kritisch abwägend besprochen werden.

Alfried Kohlschütter
Klinik für Kinder und Jugendmedizin
der Universität Hamburg

06 Mrz 2010

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü