Bundesverein Leukodystrophie (BVL e.V.)

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MLD Family Conference

Günther Förstner besuchte die MLD Family Conference der MLD Foundation am 13.+14. März 2009 in München, hier eine Kurzfassung über die Vortragsinhalte.
Eine Gewähr für die Richtigkeit dieser Informationen kann nicht gegeben werden.

Zur MLD allgemein:

  • MLD ist nicht nur ein Myelin Problem, sondern auch eine Erkrankung der Neuronen
  • Neuronen werden durch eine Transplantation nicht "korrigiert"
  • Das Enzym Arylsulfatase A (ASA) wird zwar von Oligodendrozyten gut, von Neuronen jedoch nicht gut aufgenommen.
  • Sulfatidanreicherung in Neuronen bewirkt eine Funktionseinschränkung
  • Die Magnetresonanztomographie (MRT / MRI) kann im Falle von infantiler MLD selbst bei bereits betroffenen Kindern anfangs noch normal aussehen (besser zu deuten: Magnetresonanzspektroskopie, MRS)


Allgemein über Transplantationen bei MLD:

  • Erste MLD Knochenmarktransplantation: 1983
  • Lebenslang bleibt eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Krebs
  • Die Wahrscheinlichkeit für eine chronische GvH (Graft versus Host, also das Implantat wehrt das Empfängergewebe ab) hängt vom Implantat ab. Je besser die Spenderzellen passen, desto niedriger die Wahrscheinlichkeit;
  • In dieser Beziehung ist Nabelschurblut besser als Knochenmark.
  • Einsatz von MSC (mesenchymalen Stammzellen): bisher keine klare Daten für MLD Transplantationen. MSC scheinen aber die Gefahr einer GvH zu senken.
  • Die Sterblichkeitsrate liegt in Frankreich insgesamt bei ca. 15%
  • Bei perfekt passenden Spenderzellen: Die Sterblichkeitsrate liegt bei ca. 10% (Frankreich)
  • Es ist unklar, wie schnell sich die Spenderzellen beim Menschen in der Mikroglia (Stützgewebe in Hirn) ansiedeln. Bei der Maus: Ca. 25% der Zellen nach 13 Monaten.
  • Durch die Transplantation wird die cerebrale Demyelisierung (im Gehirn) arrestiert, also gestoppt.
  • Die Wirkungen einer Transplantation sind im peripheren Nervensystem nur sehr schwach.


Über Transplantationen speziell bei infantiler MLD (Situation Frankreich):

  • Nach 3 Transplantationen bei der infantilen (kindlichen) MLD werden keine weiteren mehr vorgenommen, weil diese allesamt kaum Wirkung zeigten, obwohl die Transplantation selbst völlig komplikationsfrei waren
  • In allen Fällen hat sich die Motorik deutlich verschlechtert.
  • In 2 von 3 Fällen gab es nach 14/16 Monaten keine Weiterentwicklung mehr, die Kinder blieben also auf ihrem Entwicklungsstand stehen; später erfolgte dann teilw. wieder ein Abbau von Fähigkeiten.
  • Grob gesagt konnte allenfalls eine Krankheitsverzögerung um 3 Monate erreicht werden.
  • Zur Enzymersatztherapie: klinische Phase 1 Studie in Kopenhagen
  • Gesamt 13 Kinder mit Einstiegsalter 24…59 Monate
  • 3 Kohorten (verschiedene Dosen)
  • Keine Placebogruppe
  • Verschiedene bekannte/unbekannte MLD Mutationen;
  • 7 Kinder entwickelten Abwehrreaktionen gegen das Enzym, mild bis moderat
  • Diese Abwehrreaktionen können beherrscht werden
  • Die Therapie wird daher aktuell als sicher eingestuft - damit kann die nächste Phase gestartet werden
  • Keine von außen ersichtlichen Verbesserungsreaktionen aufgetreten, aber:
  • Sulfatidreduktion im Liquor nachweisbar, abhängig von der Dosis
  • Aufgrund der bisher niedrigen Dosis: Motorik weiterhin deutlich verschlechtert
  • Expertengruppe für die nächste Phase steht fest, u.a. Prof. Krägeloh-Mann und Prof. Aubourg
  • Placebogruppe (1/3 der Patienten) wird mit eingeplant
  • Start der nächsten Phase evtl. schon im Juni 2009, Dauer ca. 9 Monate. Ort: USA
  • Zielgruppe: spätinfantile MLD, aber noch fähig zu gehen (schwierig, Patienten zu finden)


Zur einer eventuellen Gentherapie:

  • Mindestens 10% der Zellen sollten korrigiert werden
  • Viren sind aktuell die besten Werkzeuge, um die gewünschten Gensequenzen in die Zellkernen zu bringen
  • Gentherapien derzeit für MLD und ALD in Vorbereitung
  • Eine "reparierte" Zelle kann andere Zellen mit dem Enzym ASA versorgen
  • Phase 1 (Proof of concept): erfolgreich abgeschlossen
  • Phase 2 (Security Test): erfolgreich abgeschlossen
  • Virenherstellung für Phase 3 soll bald gestartet werden
  • Phase 3 Planung: 1. Patient Ende 2009 oder Anfang 2010
  • Die Viren werden an verschiedenen Stellen direkt ins Hirn injiziert
  • …hört sich schrecklich an, ist aber weniger invasiv als eine Transplantation mit vorhergehender Chemotherapie
  • Die Behandlung (einmalig) benötigt nur einige Stunden
  • Aus Affenversuchen weiß man, daß sich die Viren in einem begrenzten Gebiet um die Injektionsstelle verbreiten, daher mehrere Injektionsstellen
  • Diese Behandlung bewirkt bestenfalls einen Stop der Krankheit; es ist aber keine Besserung von bereits eingetretenen Schäden/Beeinträchtigungen zu erwarten
  • Diese Behandlung sollte daher VOR der Entwicklung von Symptomen erfolgen
  • Vermutlich wird es sinnvoll sein, trotz erfolgreicher Gentherapie zusätzlich Arylsulfatase zu verabreichen (kontinuierliche Behandlung, siehe Enzymersatztherapie)



Weitere Infos?
Bitte im Büro nachfragen.

29 Jul 2010

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